Instandhaltung von Maschinen: Sicheres Arbeiten nach EKAS
Statistisch gesehen passieren bei der Instandhaltung von Maschinen in Schweizer KMU die schwersten Arbeitsunfälle. Oft wird unter Zeitdruck gearbeitet, Schutzeinrichtungen werden überbrückt, um «schnell mal reinzuschauen», oder eine Maschine läuft unerwartet wieder an, während die Hand noch im Gefahrenbereich ist. Das Tückische: Es sind meist erfahrene Mitarbeitende, die solche Unfälle erleiden — nicht Neulinge. Routine erzeugt Sorglosigkeit.
Warum Instandhaltung besonders gefährlich ist
Im Normalbetrieb sind Maschinen durch Schutzvorrichtungen gesichert: Verkleidungen, Lichtschranken, Sicherheitszuhaltungen. Bei Wartung, Reinigung und Störungsbehebung müssen diese Schutzeinrichtungen zwangsläufig geöffnet oder überbrückt werden — und genau in diesem Moment entfällt die eingebaute Sicherheitstechnik. Hinzu kommen typische Risikofaktoren:
- Zeitdruck: Die Maschine steht still, die Produktion wartet. «Schnell mal» ist der gefährlichste Satz in der Instandhaltung.
- Unerwartetes Wiederanlaufen: Energie wurde nicht vollständig getrennt oder gesichert — und eine Kollegin oder ein Kollege schaltet die Maschine aus Versehen wieder ein.
- Restenergie: Hydraulikdruck, gespannte Federn, hängende Lasten, kondensatorbelegte Stromkreise — Energie, die auch nach dem Abschalten noch gefährlich ist.
- Schlechte Sicht und Zugänglichkeit: Wartungsarbeiten finden oft an schwer zugänglichen Stellen statt, in unbequemer Körperhaltung und mit eingeschränktem Sichtfeld.
Die SUVA-Unfallstatistik zeigt: Quetschungen, Amputationen und schwere Verletzungen durch unerwartetes Maschinenanlaufen sind keine Seltenheit — und wären in den meisten Fällen vollständig vermeidbar.
Maschinensicherheit und Wartungskonzept überprüfen?
Gemeinsam erstellen wir klare Instandhaltungs-Instruktionen und setzen das LOTO-Prinzip in Ihrem Betrieb praxisnah um.
Sicherheits-Check buchen →Das A und O: Konsequente Energietrennung nach dem LOTO-Prinzip
LOTO steht für Lockout – Tagout und ist die international etablierte Methode zur sicheren Energietrennung vor Instandhaltungsarbeiten. Das Prinzip ist einfach: Die Maschine wird vollständig von allen Energiequellen getrennt, die Energiequellen werden mit einem Schloss gesichert (Lockout), und der Abschaltzustand wird mit einem Hinweisschild markiert (Tagout). Solange das persönliche Schloss des Arbeitenden hängt, kann niemand die Maschine wieder einschalten.
Der LOTO-Ablauf in der Praxis — Schritt für Schritt:
- Vorbereitung: Instandhaltungsanweisung konsultieren, alle Energiequellen identifizieren (elektrisch, hydraulisch, pneumatisch, mechanisch, thermisch)
- Maschine geordnet abschalten: Normal herunterfahren gemäss Betriebsanleitung
- Energiequellen trennen: Hauptschalter ausschalten, Druckluft ablassen, Hydraulik drucklos schalten
- Sichern (Lockout): Jede Energiequelle mit einem persönlichen Schloss sichern. Wenn mehrere Personen an der Maschine arbeiten, hängt jeder sein eigenes Schloss.
- Kennzeichnen (Tagout): Hinweisschild anbringen («Achtung: Wartungsarbeiten — nicht einschalten»)
- Restenergie abbauen: Restdruck ablassen, gespannte Teile sichern, Kondensatoren entladen, hängende Lasten absenken
- Verifizieren: Anlaufversuch mit Einschalter — Maschine darf sich nicht bewegen
- Erst dann beginnen die eigentlichen Arbeiten
Nach Abschluss der Arbeiten: Maschine überprüfen, alle Werkzeuge und Personen aus dem Gefahrenbereich entfernen, Schutzeinrichtungen montieren, Schlösser und Schilder entfernen, Maschine wieder in Betrieb nehmen.
Schriftliche Instandhaltungsanweisungen: Pflicht, kein Luxus
Die EKAS verlangt, dass Betriebe für ihre Maschinen schriftliche Instandhaltungsanweisungen erstellen und diese dem Personal zugänglich machen. Das ist kein bürokratischer Selbstzweck: Ohne Anweisung weiss jeder Mitarbeitende nur das, was er sich selbst angeeignet hat — und das variiert von Person zu Person erheblich.
Eine praxistaugliche Instandhaltungsanweisung enthält:
- Maschinenbezeichnung und Standort
- Alle Energiequellen und Absperrpunkte mit Foto oder Skizze
- LOTO-Schritte in der korrekten Reihenfolge
- Hinweise auf Restgefahren (z.B. heisse Oberflächen, gefährliche Stoffe im Hydrauliköl)
- Erforderliche persönliche Schutzausrüstung
- Zuständige Person und Kontakt im Notfall
In der Praxis: Die Anweisung muss nicht schön sein — sie muss funktionieren. Ein laminiertes A4-Blatt mit Foto an der Maschine ist oft wirkungsvoller als ein aufwändiges digitales Dokument, das niemand öffnet.
Schulung und Dokumentation: Was der Kontrolleur prüft
Gute Instandhaltungsanweisungen nützen nichts, wenn das Personal nicht geschult wurde. Die EKAS erwartet, dass Mitarbeitende, die Instandhaltungsarbeiten durchführen:
- die spezifischen Gefährdungen ihrer Maschinen kennen,
- das LOTO-Prinzip und die betriebsspezifischen Anweisungen verstehen und anwenden können,
- wissen, an wen sie sich bei Unsicherheiten wenden.
Schulungen müssen dokumentiert werden — Datum, Thema, Teilnehmende mit Unterschrift. Bei neuen Mitarbeitenden ist eine Erstschulung vor der ersten selbstständigen Instandhaltungsarbeit Pflicht. Bei wesentlichen Änderungen an Maschinen oder Prozessen folgt eine Nachschulung.
Kommt ein Kontrolleur der SUVA oder des Arbeitsinspektorats, sind es genau diese Unterlagen, die er zuerst sehen will: Instandhaltungsanweisungen, Schulungsnachweise, Prüfprotokolle. Fehlen sie, gilt die Maschinensicherheit als nicht geregelt.
Fazit: LOTO ist kein Aufwand, sondern Selbstschutz
Instandhaltungsunfälle passieren in Sekunden — und haben oft lebenslange Folgen. Das LOTO-Prinzip ist die effektivste bekannte Methode, um diese Unfälle zu verhindern. Es kostet keine Millionen, kein Spezialwissen und keine Umbauarbeiten — es kostet Disziplin und die Bereitschaft, eine bewährte Routine zu etablieren. Wer seine Mitarbeitenden schult, klare Anweisungen erstellt und die Umsetzung regelmässig überprüft, schützt nicht nur sein Team, sondern auch sich selbst als Arbeitgeber vor einem der grössten Haftungsrisiken in der Produktion.