Kurz gesagt: Das Sicherheitssystem nach EKAS-Richtlinie 6508 ist für betroffene Schweizer Betriebe gesetzliche Pflicht, ISO 45001 dagegen eine freiwillige internationale Zertifizierung. Wer bereits ein funktionierendes EKAS-System betreibt, hat viele ISO-45001-Anforderungen inhaltlich schon erfüllt — für das Zertifikat selbst braucht es aber ein akkreditiertes Audit und einige zusätzliche, formalere Elemente.
EKAS-Richtlinie 6508 — die gesetzliche Grundlage
Die EKAS-Richtlinie 6508 setzt Art. 11a der Verordnung über die Verhütung von Unfällen und Berufskrankheiten (VUV) um. Sie verpflichtet Betriebe je nach Grösse und Gefährdungspotenzial, ein dokumentiertes Sicherheitssystem zu führen und dafür bei Bedarf eine Spezialistin oder einen Spezialisten der Arbeitssicherheit (ASA) beizuziehen. Massgebend sind vier Gruppen: Betriebe mit besonderen Gefährdungen brauchen ab 10 Mitarbeitenden ein vollständig dokumentiertes System, darunter reichen einfachere Nachweise; ohne besondere Gefährdungen gilt die volle Pflicht ab 50 Mitarbeitenden, darunter greifen die allgemeinen VUV-/ArGV-3-Pflichten.
Das EKAS-System ist keine Zertifizierung im eigentlichen Sinn — es gibt kein Zertifikat, das man vorzeigen kann. Kontrolliert wird es durch die Durchführungsorgane (SUVA, kantonale Arbeitsinspektorate), nicht durch eine private Zertifizierungsstelle.
ISO 45001 — die freiwillige internationale Norm
ISO 45001 ist die internationale Managementsystem-Norm für Arbeitsschutz, seit 2018 in Kraft und Nachfolgerin von OHSAS 18001. Anders als das EKAS-System ist sie in der Schweiz nicht gesetzlich vorgeschrieben — die Zertifizierung ist freiwillig. Ein akkreditiertes Zertifikat bekommt ein Betrieb nur über eine von der Schweizerischen Akkreditierungsstelle SAS akkreditierte Zertifizierungsstelle, mit einem externen Erstaudit, danach jährlichen Überwachungsaudits und einer Re-Zertifizierung alle drei Jahre.
Die zwei Systeme im Vergleich
| EKAS-Richtlinie 6508 | ISO 45001 | |
|---|---|---|
| Status | Gesetzliche Pflicht (Art. 11a VUV) | Freiwillige internationale Norm |
| Geltungsbereich | Schweiz | International anerkannt |
| Nachweis | Dokumentiertes System, keine Zertifizierung | Akkreditiertes Zertifikat (SAS) |
| Kontrolle durch | SUVA / kantonales Arbeitsinspektorat | Externe Zertifizierungsstelle |
| Typischer Anlass | Betriebsgrösse + Gefährdungsgrad | Kundenanforderung, Ausschreibung, Export |
| Gültigkeit | Laufend, keine Ablauffrist | 3 Jahre, mit jährlichem Überwachungsaudit |
Wie sich beide Systeme überschneiden
Die SUVA stellt selbst eine Korrelationsmatrix bereit, die zeigt, wo sich EKAS 6508 und ISO 45001 inhaltlich decken. In der Praxis heisst das: Ein Betrieb mit funktionierendem EKAS-System hat die Gefährdungsermittlung, dokumentierte Sicherheitsziele, Verantwortlichkeiten und einen Grossteil der laufenden Dokumentation bereits erarbeitet. Für die volle ISO-45001-Zertifizierung kommen typischerweise noch dazu:
- eine formale Analyse der interessierten Parteien (Kunden, Behörden, Mitarbeitende) nach ISO-Vorgabe
- eine dokumentierte Kontextanalyse des Unternehmens
- ein systematisches, nach ISO-Struktur geführtes internes Auditprogramm
- ein Managementbewertungsprozess (Management Review) in der von ISO verlangten Form
Wer beides kombinieren will, baut deshalb sinnvollerweise auf dem bestehenden EKAS-System auf, statt bei null zu beginnen.
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Belastbare Zahlen liefert nur eine Offerte der jeweiligen Zertifizierungsstelle, da Betriebsgrösse, Komplexität und Anbieter stark streuen. Als grobe Richtwerte nennen Schweizer Zertifizierungsstellen Auditkosten ab rund CHF 5'000–6'000 bei kleineren Betrieben bis in den fünfstelligen Bereich bei grösseren, plus jährliche Überwachungsaudits und diverse Gebühren für Zertifikatserstellung. Das kommt zusätzlich zum internen Aufwand für Dokumentation und Vorbereitung.
Fazit
Für die reine gesetzliche Pflicht in der Schweiz reicht ein funktionierendes Sicherheitssystem nach EKAS-Richtlinie 6508 — eine ISO-45001-Zertifizierung ist kein Muss. Sinnvoll wird sie, sobald ein konkreter geschäftlicher Anlass dazukommt: eine Ausschreibung, ein Grosskunde oder Exportgeschäft, das ein zertifiziertes Managementsystem verlangt. Wer sein EKAS-System sauber aufgebaut hat, ist für diesen Schritt bereits gut vorbereitet.
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