Ein Brand, ein schwerer Arbeitsunfall, ein Chemieunfall, ein Stromausfall — was passiert, wenn der Ernstfall eintritt? In den meisten KMU lautet die ehrliche Antwort: Man würde improvisieren. Und genau das kann fatale Folgen haben.
Die Notfallorganisation ist Element 7 der 10 Elemente des EKAS-Sicherheitssystems. Sie verlangt, dass ein Betrieb auf Ernstfälle vorbereitet ist — mit klaren Abläufen, definierten Zuständigkeiten und regelmässigen Übungen. In diesem Beitrag zeige ich, wie Sie ein Notfallkonzept aufbauen, das funktioniert.
Was gehört in ein Notfallkonzept?
Ein betriebliches Notfallkonzept muss kein 50-seitiges Dokument sein. Für die meisten KMU reicht ein klar strukturierter Notfallplan auf einer Seite, ergänzt um einige Detailregelungen. Entscheidend ist, dass es im Ernstfall funktioniert — nicht, dass es schön aussieht.
Notfallszenarien definieren
Welche Notfälle sind in Ihrem Betrieb realistisch? Typische Szenarien: Brand, schwerer Arbeitsunfall, Gefahrstoffaustritt, Stromausfall, Naturereignis (Überschwemmung, Sturm), medizinischer Notfall, Bombendrohung. Listen Sie die für Ihren Betrieb relevanten Szenarien auf — abhängig von Branche, Standort und Gefährdungsprofil.
Alarmierung festlegen
Wie wird im Ernstfall alarmiert? Wer ruft wen an, in welcher Reihenfolge? Der Notfallplan sollte die wichtigsten Nummern enthalten: Sanität (144), Feuerwehr (118), Polizei (117), Vergiftungsnotfall (145), interner Ersthelfer, Geschäftsleitung, Hauswart. Bei Gefahrstoffen: auch die SUVA-Notfallnummer und ggf. Giftnotruf.
Ersthelfer und Rettungskette
Wer sind die ausgebildeten Ersthelfer im Betrieb? Wo befindet sich das Erste-Hilfe-Material? Ist es vollständig und nicht abgelaufen? Die SUVA empfiehlt mindestens einen Ersthelfer pro 50 Mitarbeitende — in Betrieben mit besonderen Gefährdungen mehr. Die Ersthelfer brauchen eine Ausbildung (z.B. BLS-AED-Kurs) und regelmässige Auffrischungen.
Evakuierung planen
Fluchtwegeplan erstellen und gut sichtbar aushängen. Sammelplatz definieren und kommunizieren. Klären: Wer zählt beim Sammelplatz, ob alle da sind? Wer betreut Besucher und externe Personen? Wer informiert die Rettungskräfte? Fluchtwege müssen jederzeit frei, beleuchtet und markiert sein — das klingt selbstverständlich, ist aber einer der häufigsten Mängel bei Kontrollen.
Brandschutz sicherstellen
Feuerlöscher vorhanden, geprüft (jährliche Kontrolle), zugänglich und für die vorhandenen Brandrisiken geeignet? Brandmeldeanlage funktionsfähig? Mitarbeitende in der Handhabung von Feuerlöschern instruiert? Viele Mitarbeitende haben noch nie einen Feuerlöscher benutzt — im Ernstfall zählt jede Sekunde.
Zuständigkeiten und Stellvertretung
Für jeden Notfall braucht es eine verantwortliche Person — und eine Stellvertretung. Was passiert, wenn der Ersthelfer gerade in den Ferien ist? Oder der Brandschutzverantwortliche krank? Die Notfallorganisation muss auch dann funktionieren, wenn nicht alle anwesend sind.
Üben, üben, üben
Ein Notfallplan, der nie geübt wurde, funktioniert im Ernstfall nicht. Mindestens einmal pro Jahr eine Evakuierungsübung durchführen — angekündigt oder unangekündigt. Die Ergebnisse dokumentieren und Schwachstellen beheben. Das ist nicht nur sinnvoll, sondern wird bei Kontrollen auch geprüft.
Der Notfallplan — was draufstehen muss
Der aushängende Notfallplan sollte auf einen Blick erfassbar sein. Die SUVA bietet ein Merkblatt «Verhalten im Notfall» als Vorlage an. Folgendes gehört drauf:
- Notfallnummern — Sanität, Feuerwehr, Polizei, Vergiftung, interner Ersthelfer
- Alarmierungsablauf — Wer macht was in welcher Reihenfolge?
- Sammelplatz — Wo treffen sich alle nach einer Evakuierung?
- Standort Erste-Hilfe-Material und Defibrillatoren
- Standort Feuerlöscher und Löschposten
- Besondere Hinweise — z.B. Gefahrstoffe, Absperrbereiche, Hauptschalter
Notfallplanung und das EKAS-Sicherheitssystem
Die Notfallorganisation (Element 7) hängt eng mit anderen Elementen zusammen: Die Gefährdungsbeurteilung (Element 5) bestimmt, welche Notfallszenarien relevant sind. Die Ausbildung (Element 3) stellt sicher, dass Mitarbeitende wissen, was im Ernstfall zu tun ist. Die Kontrolle (Element 10) prüft, ob der Notfallplan aktuell ist und die Übungen stattfinden.
In der Praxis wird die Notfallplanung oft als letztes angegangen — dabei ist sie eines der Elemente, die bei Kontrollen am häufigsten geprüft werden und am einfachsten zu beheben sind.
Notfallkonzept erstellen oder überprüfen?
Ich erstelle massgeschneiderte Notfallkonzepte für KMU und führe Evakuierungsübungen durch — praxisnah und auf Ihren Betrieb zugeschnitten.
Erstberatung anfragen →Fazit
Ein gutes Notfallkonzept rettet im Ernstfall Menschenleben. Es muss nicht kompliziert sein — aber es muss existieren, aktuell sein und regelmässig geübt werden. Starten Sie mit einem klaren Notfallplan, definieren Sie Zuständigkeiten und Stellvertretungen, und führen Sie mindestens einmal pro Jahr eine Evakuierungsübung durch. Das sind die Basics, die jeder Betrieb umsetzen kann und muss.