Braucht Ihr Betrieb einen Sicherheitsbeauftragten? Und wenn ja — was muss diese Person können, welche Ausbildung braucht sie, und lohnt sich eine externe Lösung? In diesem Leitfaden beantworte ich die häufigsten Fragen zum Thema Sicherheitsbeauftragter (SIBE) und KOPAS in der Schweiz. Wer sich zusätzlich einen Überblick über das grössere Bild verschaffen möchte, findet in der Gesamtübersicht zur ASA-Fachperson-Pflicht in der Schweiz die passende Ergänzung.
SIBE, KOPAS, ASGS — was bedeuten die Kürzel?
SIBE, KOPAS und ASGS-Spezialist bezeichnen unterschiedliche Stufen im Schweizer Arbeitsschutz: SIBE und KOPAS sind dieselbe betriebliche Funktion mit unterschiedlicher Bezeichnung, während ASGS-Spezialist ein geschützter Berufstitel mit eidgenössischem Fachausweis für professionelle Sicherheitsfachleute ist.
Im Schweizer Arbeitsschutz tauchen verschiedene Bezeichnungen auf, die oft verwechselt werden. Hier die wichtigsten:
- SIBE (Sicherheitsbeauftragter) — eine betriebliche Funktion. Der SIBE sorgt im Auftrag der Geschäftsleitung dafür, dass Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz umgesetzt werden.
- KOPAS (Kontaktperson für Arbeitssicherheit) — im Grunde dasselbe wie SIBE, wird häufig in kleineren Betrieben oder im Rahmen von Branchenlösungen verwendet.
- ASGS-Spezialist — ein geschützter Berufstitel mit eidgenössischem Fachausweis. Das ist die höhere Ausbildungsstufe für Personen, die professionell im Bereich Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz arbeiten.
Wann ist ein Sicherheitsbeauftragter Pflicht?
Ein Sicherheitsbeauftragter ist Pflicht, sobald ein Betrieb laut EKAS-Richtlinie 6508 zum Beizug von Arbeitssicherheits-Spezialisten verpflichtet ist. Massgebend sind Betriebsgrösse und vorhandene besondere Gefährdungen: ab 10 Mitarbeitenden mit Gefährdung oder ab 50 Mitarbeitenden generell braucht es ein dokumentiertes Sicherheitssystem.
Ob Ihr Betrieb einen Sicherheitsbeauftragten bestellen muss, hängt von zwei Faktoren ab: der Anzahl Mitarbeitende und den vorhandenen Gefährdungen gemäss Anhang 1 der EKAS-Richtlinie 6508.
| Betriebstyp | Anforderung | SIBE nötig? |
|---|---|---|
| Besondere Gefährdungen, ab 10 MA | Vollständiges Sicherheitssystem nach 10 Elementen, dokumentiert | Ja — intern oder extern |
| Besondere Gefährdungen, unter 10 MA | Massnahmen nachweisen mit einfachen Mitteln | Empfohlen, nicht zwingend |
| Keine besonderen Gefährdungen, ab 50 MA | Sicherheitssystem erforderlich | Ja |
| Keine besonderen Gefährdungen, unter 50 MA | Allgemeine Pflichten VUV/ArGV3 | Nicht zwingend |
Die Aufgaben eines Sicherheitsbeauftragten
Ein Sicherheitsbeauftragter erkennt Gefährdungen, beurteilt Risiken, setzt Schutzmassnahmen um, schult Mitarbeitende und dokumentiert alles auditfähig. Die Suva fasst die Kernaufgabe in drei Worten zusammen: beurteilen, beraten, begleiten.
Die konkreten Aufgaben variieren je nach Betrieb und Branche. Gemäss SUVA und EKAS umfassen die Kernaufgaben eines SIBE typischerweise:
- Gefährdungen erkennen — regelmässige Begehungen und Arbeitsplatzkontrollen durchführen
- Risiken beurteilen — erkannte Gefahren systematisch bewerten und priorisieren
- Massnahmen umsetzen — technische, organisatorische und persönliche Schutzmassnahmen einleiten
- Schulen und informieren — Mitarbeitende regelmässig zu Sicherheitsthemen unterweisen
- Dokumentieren — Gefährdungsermittlung, Massnahmenplan und Schulungsnachweise führen
- Geschäftsleitung beraten — auf Mängel hinweisen und Verbesserungen vorschlagen
- Unfälle analysieren — Ursachen ermitteln und Wiederholung verhindern
- Notfallorganisation — Evakuierungspläne erstellen und Übungen durchführen
Die SUVA beschreibt die primären Aufgaben des Sicherheitsbeauftragten mit drei Worten: beurteilen, beraten und begleiten.
Ausbildungsstufen — vom KOPAS bis zum ASGS-Spezialisten
Das Schweizer Ausbildungssystem für Sicherheitsbeauftragte ist gestuft: Der zweitägige KOPAS-Grundkurs reicht für die meisten KMU, komplexere Betriebe brauchen den achttägigen Sicherheitsassistenten-Lehrgang, und professionelle Sicherheitsfachleute erwerben den eidgenössischen Fachausweis als ASGS-Spezialist.
In der Schweiz gibt es ein gestuftes Ausbildungssystem für Sicherheitsbeauftragte. Welche Stufe Ihr SIBE braucht, hängt von der Komplexität Ihres Betriebs ab.
| Stufe | Ausbildung | Dauer | Geeignet für |
|---|---|---|---|
| KOPAS | Grundkurs SIBE/KOPAS (SUVA-anerkannt) | 2 Tage | KMU, Bürobetriebe, einfache Gefährdungen |
| Sicherheitsassistent/in ASGS | Vertiefungslehrgang mit Zertifikat SUVA | 8 Tage | Betriebe mit komplexeren Gefährdungen |
| Spezialist/in ASGS | Eidg. Berufsprüfung (Fachausweis) | ~1 Jahr berufsbegleitend | Professionelle Sicherheitsfachleute, Beratung |
| Experte/in ASGS | Höhere Fachprüfung (eidg. Diplom) | ~1,5 Jahre berufsbegleitend | Führungspositionen, Sicherheitsingenieure |
Der KOPAS-Grundkurs (2 Tage, ca. CHF 900–1'400) reicht für die meisten KMU aus. Er wird von der SUVA, dem Verein Arbeitssicherheit Schweiz und verschiedenen privaten Anbietern durchgeführt. Nach dem Kurs und einer schriftlichen Abschlussarbeit erhalten Teilnehmende das SUVA-anerkannte Zertifikat.
Wer tiefer einsteigen will, kann sich zum ASGS-Spezialisten mit eidgenössischem Fachausweis weiterbilden — die Berufsprüfung wird jährlich durchgeführt und ist der anerkannte Standard für professionelle Sicherheitsfachleute in der Schweiz.
Interner SIBE oder externer Sicherheitsbeauftragter?
Ein interner Sicherheitsbeauftragter lohnt sich bei grossen, komplexen Betrieben mit täglicher Präsenz vor Ort. Für die meisten KMU unter 50 Mitarbeitenden ist ein externer Sicherheitsbeauftragter die praktischere und oft günstigere Lösung, weil sofort einsatzbereites Fachwissen vorhanden ist.
Nicht jeder Betrieb hat die Ressourcen, einen eigenen Mitarbeitenden als SIBE auszubilden und freizustellen. In vielen Fällen ist ein externer Sicherheitsbeauftragter die sinnvollere Lösung.
Wann ein interner SIBE sinnvoll ist
- Grosser Betrieb mit vielen Mitarbeitenden (ab ~50 MA)
- Komplexe oder sich häufig ändernde Gefährdungen
- Tägliche Präsenz vor Ort erforderlich (z.B. Baustellen)
- Budget für Ausbildung und teilweise Freistellung vorhanden
Wann ein externer SIBE besser passt
- KMU unter 50 Mitarbeitende — kein internes Know-how vorhanden
- Kein Mitarbeitender mit Interesse oder Eignung für die Funktion
- Sofort einsatzbereite Lösung gesucht (keine monatelange Ausbildung)
- Objektive Aussensicht erwünscht — keine Betriebsblindheit
- Kosten sollen planbar und gering bleiben
Braucht Ihr Betrieb einen externen SIBE?
Als anerkannter ASGS-Spezialist übernehme ich die Rolle Ihres Sicherheitsbeauftragten — flexibel, professionell und direkt vor Ort in der Ostschweiz.
Kostenlose Erstberatung anfragen →Was passiert, wenn Sie keinen SIBE haben?
Ohne nachgewiesenes Sicherheitssystem drohen bei einer Kontrolle durch Arbeitsinspektorat oder Suva Auflagen und Nachbesserungsfristen. Bei einem Arbeitsunfall ohne dokumentierte Massnahmen kann die Geschäftsleitung persönlich strafrechtlich haftbar gemacht werden.
Wenn Ihr Betrieb unter die Beizugspflicht fällt und kein Sicherheitssystem nachweisen kann, riskieren Sie bei einer Kontrolle durch das Arbeitsinspektorat oder die SUVA Auflagen und Fristen zur Nachbesserung. Bei einem Arbeitsunfall ohne dokumentierte Sicherheitsmassnahmen kann es strafrechtliche Konsequenzen geben — für die Geschäftsleitung persönlich.
Ausserdem: Betriebe mit guter Arbeitssicherheit profitieren von tieferen Versicherungsprämien und weniger Ausfällen. Prävention lohnt sich auch finanziell.
So finden Sie den richtigen SIBE für Ihren Betrieb
Bei der Wahl des Sicherheitsbeauftragten zählen Qualifikation (mindestens KOPAS, idealerweise ASGS-Fachausweis), Branchenerfahrung, Praxisorientierung statt reiner Papierarbeit und regionale Nähe. Das SGAS-Verzeichnis listet qualifizierte Spezialisten in der Schweiz.
Ob intern oder extern — bei der Wahl Ihres Sicherheitsbeauftragten sollten Sie auf folgende Punkte achten:
- Qualifikation prüfen — mindestens KOPAS-Grundkurs, idealerweise ASGS-Fachausweis
- Branchenerfahrung — kennt die Person die typischen Gefährdungen Ihrer Branche?
- Praxisorientierung — erstellt die Person praxistaugliche Konzepte oder nur Papier?
- Regionale Nähe — ist die Person schnell vor Ort bei Ihnen?
- SGAS-Verzeichnis — die Schweizerische Gesellschaft für Arbeitssicherheit führt eine Liste qualifizierter Spezialisten
Zusammenfassung
Der Sicherheitsbeauftragte ist eine zentrale Funktion in jedem Schweizer Betrieb, der Arbeitssicherheit ernst nimmt. Ob KOPAS, interner SIBE oder externer ASGS-Spezialist — wichtig ist, dass die Funktion kompetent besetzt ist und die Geschäftsleitung dahintersteht. Denn die Verantwortung für sichere Arbeitsplätze bleibt immer Chefsache.
Als ASGS-Spezialist unterstütze ich Betriebe im Kanton St. Gallen und der Ostschweiz als externer Sicherheitsbeauftragter — praxisnah, effizient und auf Augenhöhe.