EKAS / ASA

Branchenlösung oder individuelle ASA-Lösung — was passt zu Ihrem Betrieb?

Von Pascal Kurz · August 2025 · 7 Min. Lesezeit

Wenn Ihr Betrieb unter die Beizugspflicht der EKAS-Richtlinie 6508 fällt, stehen Sie vor einer grundlegenden Entscheidung: Schliessen Sie sich einer Branchenlösung an — oder bauen Sie ein individuelles Sicherheitssystem auf? Beide Wege sind zulässig, aber sie unterscheiden sich erheblich in Aufwand, Kosten und Passgenauigkeit.

In diesem Beitrag erkläre ich, was hinter beiden Varianten steckt, für wen welche Lösung Sinn macht und wo die jeweiligen Grenzen liegen.

Was ist eine Branchenlösung?

Eine Branchenlösung ist ein überbetriebliches ASA-System, das von den Sozialpartnern einer Branche entwickelt und von der EKAS anerkannt wird. Sie stellt den angeschlossenen Betrieben standardisierte Hilfsmittel zur Verfügung:

In der Schweiz gibt es zahlreiche Branchenlösungen — von der Gastronomie über den Detailhandel bis zum Gesundheitswesen. Die jährlichen Kosten bewegen sich typischerweise zwischen CHF 200 und CHF 800, abhängig von Betriebsgrösse und Branche.

Was ist eine individuelle ASA-Lösung?

Bei einer individuellen Lösung baut Ihr Betrieb ein eigenes Sicherheitssystem auf — massgeschneidert auf Ihre spezifischen Verhältnisse. Das setzt den Beizug von internen oder externen Spezialisten der Arbeitssicherheit voraus. Das System umfasst alle 10 Elemente der EKAS-Richtlinie 6508, wird aber individuell auf Ihren Betrieb zugeschnitten.

Eine individuelle Lösung ist aufwändiger in der Erstellung, aber dafür exakt auf Ihre Gefährdungen, Prozesse und Organisationsstruktur abgestimmt.

Der Vergleich im Überblick

KriteriumBranchenlösungIndividuelle Lösung
KostenCHF 200–800/Jahr (Mitgliedsbeitrag)Einmalig CHF 3'000–15'000+ je nach Betriebsgrösse, danach laufende Betreuung
PassgenauigkeitStandardisiert für die Branche — deckt die häufigsten Gefährdungen abMassgeschneidert auf Ihren spezifischen Betrieb
Aufwand internGering — Hilfsmittel werden geliefertHöher — aktive Mitarbeit bei Erstellung nötig
SpezialistenzugangÜber die Trägerschaft organisiert, oft begrenzt (z.B. 2 Std./Jahr)Direkt und unbegrenzt, nach Bedarf
SchulungenStandardkurse der BranchenlösungMassgeschneidert auf Ihren Betrieb
AuditsDurch die Trägerschaft, standardisiertDurch externen Spezialisten, individuell
AnerkennungEKAS-anerkanntWird bei Kontrolle individuell geprüft

Vor- und Nachteile im Detail

Branchenlösung

  • + Kostengünstig, planbarer Jahresbeitrag
  • + Sofort einsetzbar, wenig Eigenaufwand
  • + EKAS-anerkannt — rechtlich auf der sicheren Seite
  • + Schulungen und Audits inklusive
  • Standardisiert — deckt betriebsspezifische Besonderheiten nicht ab
  • Begrenzter Zugang zu Spezialisten
  • Risiko der «Abhak-Mentalität» — Checkliste ausgefüllt, aber nicht gelebt
  • Nicht geeignet für komplexe Betriebe mit vielen unterschiedlichen Gefährdungen

Individuelle Lösung

  • + Exakt auf Ihren Betrieb zugeschnitten
  • + Deckt auch ungewöhnliche oder komplexe Gefährdungen ab
  • + Direkter Zugang zu einem Spezialisten, der Ihren Betrieb kennt
  • + Höhere Qualität und Praxistauglichkeit
  • Höhere Anfangsinvestition
  • Erfordert aktive Mitarbeit der Geschäftsleitung
  • Muss bei Kontrolle individuell bestehen (keine EKAS-Anerkennung als «System»)
  • Qualität hängt vom gewählten Spezialisten ab

Wann ist eine Branchenlösung die richtige Wahl?

Eine Branchenlösung macht Sinn, wenn:

Wann ist eine individuelle Lösung besser?

Eine individuelle ASA-Lösung ist sinnvoller, wenn:

Praxis-Erfahrung: In meiner Beratung sehe ich oft Betriebe, die mit einer Branchenlösung gestartet sind und nach ein paar Jahren feststellen, dass sie ihren Anforderungen nicht mehr genügt — weil der Betrieb gewachsen ist, die Gefährdungen komplexer geworden sind oder eine ISO-Zertifizierung ansteht. Der Wechsel von der Branchenlösung zur individuellen Lösung ist jederzeit möglich und oft ein logischer nächster Schritt.

Die Kombination: Branchenlösung als Basis, individuell ergänzt

Eine dritte Variante, die in der Praxis gut funktioniert: Sie bleiben Mitglied Ihrer Branchenlösung und ergänzen sie individuell dort, wo die Standardhilfsmittel nicht ausreichen. Das kann bedeuten:

So profitieren Sie von den Vorteilen der Branchenlösung (kostengünstig, EKAS-anerkannt) und schliessen gleichzeitig die Lücken, die für Ihren spezifischen Betrieb relevant sind.

Welche Lösung passt zu Ihrem Betrieb?

Ich berate Sie gerne — ob Sie eine Branchenlösung ergänzen, ein individuelles System aufbauen oder vor der Entscheidung stehen. Kostenloses Erstgespräch.

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Wie finde ich die passende Branchenlösung?

Die EKAS führt ein Verzeichnis aller anerkannten Branchenlösungen. Prüfen Sie, ob für Ihre Branche eine Lösung existiert und ob deren Gefährdungsprofile auf Ihren Betrieb passen. Fragen Sie bei der Trägerschaft nach, welche Hilfsmittel, Schulungen und Spezialistenzugänge im Mitgliedsbeitrag enthalten sind — die Leistungsumfänge unterscheiden sich erheblich.

Falls keine passende Branchenlösung existiert oder wenn Ihre Tätigkeiten branchenübergreifend sind, ist eine individuelle Lösung der naheliegende Weg.

Fazit

Beide Varianten sind gesetzlich zulässig und erfüllen die Anforderungen der EKAS-Richtlinie 6508. Die Branchenlösung ist der effiziente Einstieg für typische KMU — kostengünstig, sofort einsetzbar und mit minimalem Eigenaufwand. Die individuelle Lösung ist die bessere Wahl für Betriebe, die mehr wollen — oder mehr brauchen, weil ihre Gefährdungen über den Branchenstandard hinausgehen.

Am Ende geht es nicht um die günstigste Lösung, sondern um die richtige. Denn ein Sicherheitssystem, das nicht zu Ihrem Betrieb passt, wird nicht gelebt — und ein System, das nicht gelebt wird, schützt niemanden.

PK

Pascal Kurz

Sicherheitsingenieur & ASGS-Spezialist mit eidg. Fachausweis. Berät Unternehmen im Kanton St. Gallen und der Ostschweiz zu Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz und ISO-Zertifizierung.